Weshalb Zuhören den Unterschied ausmachen kann

Aktualisiert: Mai 1


Aus meiner Sicht wird im Führungsalltag die Fähigkeit zum richtigen Zuhören massiv unterschätzt. Häufig höre ich Aussagen wie "wir haben im Alltag eh zu wenig Zeit einander richtig zuzuhören" oder "ich weiss eh schon, was kommt". Das mag ja alles stimmen und ich glaube auch, dass in unzähligen Sitzungen viele Manager sich gerne und oft reden hören - zu oft, wie ich meine. Doch wie stellt man sicher, dass der- oder diejenige, die wirklich etwas zu sagen hat, auch Gehör findet? Kurzantwort: indem man vergegenwärtigt, in welcher Situation welche Qualität von Zuhören gefragt ist. Ja, richtig - du kannst unterschiedlich zuhören, ganz bewusst und es tut nicht mal weh.


gewohnheitsmässiges Zuhören

Wie oft ertappt dich deine Partnerin / dein Partner täglich dabei, dass du beim Zuhören an etwas anderes denkst? Und wie oft ertappt sie dich nicht, obwohl du auch nicht wirklich zugehört hast? Das Problem beim gewohnheitsmässigen Zuhören ist, dass du ohnehin meinst zu wissen, was jetzt kommt. Und ja, oft ist das auch so. Viele meiner Workshop-Teilnehmer berichten von langweiligen Sitzungen, wo genau das geschieht. Gewisse Sitzungsleiter positionieren sich, indem sie langfädige Äusserungen von sich geben, die repetitiv und monoton sind.

Die Lösung: offene Fragen stellen.....


faktisches Zuhören

…..um herauszufinden, ob dies oder das schon bekannt ist.

Diese Art von Zuhören ist weit verbreitet und hat in den meisten Unternehmen ihren ge-wohnten Platz eingenommen. Hier bist du bemüht, möglichst die Fakten aufzunehmen und zu verstehen, was dir jemand gerade sagt. Das ist gut so - du bist dich das von Kinds-beinen an so gewohnt. Was aber, wenn du mit dem Gehörten nicht einverstanden bist? Das ist häufig der Fall, gerade auch in kleineren Runden oder auch nur zu zweit. Widersprichst du, riskierst du möglicherweise, dich ins Offsite zu manövrieren und den ohnehin schon angestauten Frust deines Gegenübers auf dich zu laden.

Die Lösung: dich in die Situation deines Gegenübers zu versetzen.....

empathisches Zuhören

…..um die Beweggründe für sein Handeln zu verstehen.

Ich behaupte, dass diese Form von Zuhören in den Unternehmen noch (zu) wenig verbreitet ist. Genau hier kannst du als Führungskraft den Unterschied ausmachen. Einer der Top-Gründe, weshalb Mitarbeitende ein Unternehmen verlassen ist die fehlende Wertschätzung. Du entscheidest mit deiner Haltung dem Zuhören gegenüber, ob du genau verstehen möchtest, was x oder y beschäftigt bzw. weshalb x oder y sich anders verhält, als du das gerne möchtest. Wenn sich zwei Menschen in dieser Qualität des Zuhörens gegenübersitzen, entsteht Wertschätzung und der psychologische Kontrakt wird gestärkt.


Oft höre ich den Einwand, das braucht viel Zeit und die fehlt uns. Das ist nichts anderes als eine Ausrede. Schreibe dir mal eine Woche lang auf, in welchen Situationen du in deinem Alltag mit ein wenig mehr gezieltem "Ohr schenken" wieviel Zeit aufgebracht hast. Je mehr du dich darauf fokussierst, desto mehr wirst du feststellen, dass deine Qualität des Zuhörens eine positive Wirkung auf dein Umfeld hat und die "fehlende Zeit" sich in Luft aufgelöst hat.

Wenn du noch nicht genug hast.....


generatives Zuhören

…..dann kannst du dich auch in der höchsten Form von Zuhören üben.

Schöpferisches Zuhören bedeutet, einen Raum intensiver Aufmerksamkeit und offener Präsenz zu schaffen, so dass der Redende die Möglichkeit bekommt, Dinge zu sagen, die ihm selbst noch nicht so bewusst waren. Das erfordert ganz viel Übung, Geduld und Geschick, so dass sich derjenige voll und ganz öffnen kann. In der Praxis erlebe ich das in Organisationen bspw. in Mentoring Tandems oder ähnlichem.




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